Montag, 20. März 2017

Standpunkt 1081: Nachrichten-Ticker, 06. - 08.03.2017


Im vergangenen November sind wir wieder zu unserer alten Gewohnheit zurückgekehrt: Regelmäßig stellen wir in diesem Blog aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen; von uns mehr oder weniger kommentiert und ergänzt. Ideal für alle, die sich schnell und umfassend informieren wollen. Weit weg von den propagandaverseuchten Medien und als Unterstützung einer eigenen Meinung.

Leider müssen wir dafür häufig auf englischsprachige Beiträge zurückgreifen; die deutschsprachigen Medien schenken wichtigen Themen zu wenig Beachtung. Wir bitten dafür um Verständnis, dass von uns eine Übersetzung dieser Texte nicht bereitgestellt werden kann. Dafür fehlt uns schlicht die Zeit. 

Im Zuge der Wiederbelebung unseres Blogs werden wir zu den wichtigsten Themen der vergangenen Monate noch Stellung nehmen. Gewohnt ausführlich und mit zahlreichen Fakten unterlegt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik einfach eine E-mail schicken. Wir antworten so schnell wie möglich.


Unsere Themen heute: Wahlk(r)ampf in Frankreich - Brasilien - China US-Wirtschaft - Donald Trump, the man without ideas 


"The New Executive Order"


Wahlk(r)ampf in Frankreich
Zuletzt haben wir hier über den französischen Wahlkampf berichtet. Heute geht es um den aussichtsreichsten Gegner Le Pen's, den Konservativen François Fillon. Der steckt mittlerweile mindestens bis zu den Knien in diversen Affären und macht damit seiner Partei das Leben zur Hölle. Marine Le Pen lehnt sich unterdessen entspannt zurück, als ernsthaften Gegner muss sie Fillon momentan nicht fürchten. Sie kann sich statt dessen auf den sozialistischen Kandidaten, Emmanuel Macron, konzentrieren.  

Quelle: cagle.com

Frankreich: Die Konservativen zerlegen sich selbst
(heise.de/telepolis) Der Kandidat von der traurigen Gestalt, Fillon, hält an Illusionen fest und der Ersatzkandidat Juppé verzichtet. Update: Die Partei stellt sich hinter Fillon. Mehr...

Die Entwicklung zeigt die Hilflosigkeit der französischen Konservativen. Der Kandidat ist durch die Affären nach moralischen Maßstäben untragbar. Das Parteiestablishment macht unverdrossen weiter und zeigt der Öffentlichkeit einmal mehr, wie wenig Politik und Moral miteinander vereinbar sind. 

Der Karikaturist Paolo Calleri hat eine passende Idee für die Konservativen:



Frei nach Johann Wolfgang von Goethe's Ballade Erlkönig: "Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" (hier).

Emmanuel Macron hat sich längst für Le Pen zu einem ernsthaften Konkurrenten für das Amt des französischen Präsidenten entwickelt, wie der folgende Beitrag von Anfang Februar zeigt:

Der Mann, der  Le Pen nervös macht
(orf.at) Es sind keine drei Monate mehr, bis Frankreich einen neuen Präsidenten wählt. Den Kampf um das Amt zwischen der Rechtsextremen Marine Le Pen und dem Bürgerlich-Konservativen Francois Fillon mischt dabei der Liberale Emmanuel Macron kräftig auf. Ihm werden inzwischen realistische Chancen eingeräumt, in die entscheidende Stichwahl zu kommen. Mehr...
Macron setzt konsequent fort, was der bisherige Präsident, François Hollande, aus Verzweiflung und politischer Ratlosigkeit schon begonnen hat: Die vollkommene Aufgabe sozialistischer Politik in Frankreich.


Brasilien
Seit der Amtsenthebung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff im vergangenen Jahr ist es ruhig geworden um Südamerikas führende Wirtschaftsnation. 

Aus der Ferne betrachtet steckt das Land nach wie vor politisch und wirtschaftlich in der Krise. Die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 haben dem Land wirtschaftlich keinen Aufschwung gebracht, sondern den Niedergang beschleunigt. 

Die Medien hierzulande zeigen sich von dieser Entwicklung im Großen und Ganzen unbeeindruckt. Schon überraschend wenn man bedankt, dass Brasilien als starker politischer und wirtschaftlicher Anker des Westens gilt und besonders die deutsche Wirtschaft in Brasilien einen dankbaren Abnehmer seiner Produkte hat. Und selbstverständlich einen Leistungsbilanzüberschuss erzielt (hier). 

Brasilien hat mittlerweile das Zeug dazu, nicht nur begrenzt auf Südamerika, sondern darüber hinaus für die ganzen Welt, eine veritable Krise auszulösen. 

This Region Of The World Is Being Hit By The Worst Economic Collapse It Has Ever Experienced
(theeconomiccollapseblog.com) The ninth largest economy in the entire world is currently experiencing “its longest and deepest recession in recorded history”, and in a country right next door people are being encouraged to label their trash so that the thousands upon thousands of desperately hungry people that are digging through trash bins on the streets can find discarded food more easily.  Of course the two nations that I am talking about are Brazil and Venezuela.  The Brazilian economy was once the seventh largest on the globe, but after shrinking for eight consecutive quarters it has now fallen to ninth place.  And in Venezuela the economic collapse has gotten so bad that more than 70 percent of the population lost weight last year due to a severe lack of food.  Most of us living in the northern hemisphere don’t think that anything like this could happen to us any time soon, but the truth is that trouble signs are already starting to erupt all around us.  It is just a matter of time before the things currently happening in Brazil and Venezuela start happening here, but unfortunately most people are not heeding the warnings. Read more...


China
Nach unserer Einschätzung ein dauernder Krisenherd, der ständig noch an Gefährlichkeit zunimmt. Ein guter Grund für die heimischen Leitmedien die chinesische Wirtschaft zu loben, statt auf dieses explosive Gemisch näher einzugehen. 

Andererseits ist das Reich der Mitte aber auch ein guter Maßstab für die Entwicklung der Weltwirtschaft, die wir in einer ausgewachsenen Rezession sehen. 

China Trade Skews
(alhambrapartners.com) Chinese trade figures for the month of February 2017 were decidedly mixed. On the import side, total trade rose by 38.1% from February 2016. That latter month, however, was one of the lowest trade figures in years (the first time imports had added up to less than $100 billion in any month going back to February 2010) as it ended up with both the worst of the "rising dollar" conditions as well as holding last year’s Lunar New Year holiday. For January and February combined, imports were 26% higher than the same two months in 2016, but still 16% below January and February 2014. 
Chinese exports, on the other hand, contracted yet again. Though "analysts" were projecting a 14% gain for the month, exports totaled $124.5 billion, down 1.3% from one of the worst months in China’s statistics. That is why expectations were for a seemingly robust gain, as base effects made it improbable that exports would be lower in February 2017 than in February 2016. Calendar effects being what they were, however, January and February combined this year were up just 4% compared to last year during the worst economic conditions since the depths of the Great "Recession". Read more...

Das Fazit des Autors: "So here we are all over again, wondering just how much improvement there is after escaping, as 2012, what could have been something like recession (though, as I often write, in reality we escape nothing because this repetition is far worse than recession). For a standard of comparison, exports from China in Q1 2014 were -3.5% (the Polar Vortex quarter in the US) accelerating to +4.9% Q2 2014 and then +12.9% Q3. Things can still get a whole lot better from here without actually getting better from here." 


US-Wirtschaft
Nicht nur wegen der Zweifel an der Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump haben wir die Entwicklung in den USA dauernd unter Beobachtung. Wir sind fest davon überzeugt, dass erst eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft, verbunden mit einem signifikanten Anstieg der Vollzeitjobs, die globale Wirtschaft aus der Rezession führen wird. Die von D. T. und seinem Mastermind Steve Bannon vorgesehenen protektionistischen Maßnahmen wären, sollten sie tatsächlich umgesetzt werden, natürlich nicht besonders konstruktiv. Glücklicherweise aber auch für Amerika. Was unsere Hoffnung am Leben hält, dass sich - trotz Donald Trump - am Ende in Washington die Vernunft durchsetzen wird. Spätestens dann wenn die Wall Street merkt, dass die Gewinne aus dem internationalen Handel nicht mehr so üppig sprudeln. Das kann natürlich dauern. 

Atlanta Fed GDPNow Forecast Spirals Down in Amazing Manner
(zerohedge.com) Where has all the optimism gone?
The Atlanta Fed’s GDPNow model, which forecasts GDP growth in the US in the current quarter, picks up data as it is released and changes the forecast in real time. As the quarter advances and as more data is included, it becomes a more accurate predictor, not of actual economic growth, but of GDP as measured in the first estimate for that quarter by the Bureau of Economic Analysis (BEA). So now we’re 67 days into the first quarter, and the GDPNow forecast has been spiraling down in an amazing manner for the past nine days.
The model now forecasts GDP growth in Q1 of 1.2% seasonally adjusted annual rate. This means that if the economy continues to grow at this rate for the rest of the year, annual GDP growth would be 1.2%, which would be the worst since the Financial Crisis. Read more...

An dieser Stelle gleich den Chart aus dem Beitrag:


US Trade Skews
(alhambrapartners.com) US trade statistics dramatically improved in January 2017, though questions remain as to interpreting by how much. On the export side, US exports of goods rose 8.7% year-over-year (NSA). While that was the highest growth rate since 2012, there is part symmetry to account for some of it. Exports in the latter half of 2015 and for that first month of 2016 were contracting at double digit rates, the base effects of the deepest part of the “rising dollar” period. The volume of outbound trade therefore remains almost 3% less in January 2017 than January 2015, and nearly 8% less than January 2014.



Clearly, the export sector has improved, accounting for a good part of the manufacturing rebound that we find in other statistics. We don’t know yet by how much, a key question in determining, among other things, the validity of the basis for “reflation.” Some judgments can be ported from the import side, however, where things are a little clearer (if paradoxically in terms of doubts about the growth rate). Read more...
  
Das Fazit: "We know that the US and global economy is no longer contracting in terms of trade and manufacturing, but that doesn’t immediately propose a resumption of growth; especially since it has been about five years since conditions could have been plausibly associated with the word. In fact, it is in trade where we should expect to find the most intense rebound due to the nature of the extended downside – “dollar” disruption. So far, “better” has only meant the transition from negative numbers to positive numbers, and not from continuing depression to its merciful end. It will be several more months before we can say for sure, once we get past all the base, calendar, and inflation effects. That is especially true given the shot of intensity felt clearly around the world once oil rose and at least stayed around $50. Will that continue on and snowball positively occasionally enhanced by other factors, or might it fade as the world adjusts not to oil (and economy) being up 100% from the ultimate low but being still down more than 50% for almost three years ago?"


Donald Trump, the man without ideas
Der Mangel bleibt: Auf uns wirkt D. T. ratlos. Ein Präsident ohne den geringsten Esprit. Auf uns wirkt er wie eine batteriebetriebene Spielzeugfigur, dessen Leistung von Tag zu Tag nachlässt. Nur, was kommt danach? Wer haucht Donald Trump neues Leben ein? Fragen, auf die wahrscheinlich niemand im Augenblick eine Antwort weiss. Leider.

Quelle: truthdig.com

The GOP’s Plan Is Basically a $600 Billion Tax Cut for Rich Americans
(theatlantic.com) The bill wipes away Obamacare’s taxes, which fell most heavily on those earning $250,000 and up. Read more...

Who Pays for Border Adjustment? Sooner or Later, Americans Do
(piie.com) Former Senator Russell Long famously quipped that what everyone wanted was, "Don’t tax you, don’t tax me, tax that fellow behind the tree!" Some supporters of the border adjustment to the cash flow tax being considered by Congress maintain that they have finally found a way to tax the fellow behind the tree: Namely with revenue coming from foreign producers. As a result, they say, these additional revenues can be used to pay for reductions in other taxes, in particular corporate tax rates, with American taxpayers getting off free.
This argument is wrong. What foreigners pay, they will eventually get back. And what American taxpayers get, they will eventually have to pay back. In effect, the revenue associated with border adjustment is the equivalent of debt finance: higher tax revenues now in exchange for lower tax revenues later. Read more...

Ein bemerkenswerter Beitrag von Oliver Blanchard, früher Chefvolkswirt des IWF. In dieser Funktion "Entdecker" der Nutzlosigkeit europäischer Austeritätspolitik. 

Trumps virtuelle Mauer
(project-syndicate.org) Der Plan der Republikaner, in den USA eine "Grenzsteuer" einzuführen, ist in vieler Hinsicht die virtuelle Ergänzung der physischen Mauer, die Präsident Donald Trump entlang der US-Grenze nach Mexiko errichten will. Auch wenn die Grenzsteuer nicht annähernd so stark den Weg in das öffentliche Bewusstsein gefunden hat wie Trumps physische Mauer, könnte sie sich auf den Durchschnittsamerikaner letztlich sehr viel stärker auswirken – und nicht unbedingt zum Positiven. Mehr...

Der US-Ökonom Kenneth Rogoff zum gleichen Thema. Wie immer. Kontrollfreaks finden den englischen Originalbeitrag "Trump's Virtual Wall" hier.

"Trump Trade" Or Just A $200 Billion Liquidity Illusion?
(zeerohedge.com) Since the election we’ve heard the rally in stocks characterized as a "Trump Trade" or a "reflation" trade. We think there is a really important element missing from this analysis that could change very quickly over the next several weeks. Read more... 

War Without End
(tomdispatch.com) Donald Trump, now preparing to lead the country into the latest version of our endless wars, recently offered this look back at American military prowess: “We have to start winning wars again. I have to say, when I was young, in high school and college, everybody used to say we never lost a war. We never lost a war, remember?... And now we never win a war. We never win. And don’t fight to win.”  It was a curious bit of “history.”  Logically, his memories should have been of victory-less wars, given the ones of his growing up years: Korea and Vietnam (which he evidently avoided thanks to a trumped-up medical condition and whose massive oppositional movement he seems to have ignored). Read more... 



USA Noir
(zeit.de) Donald Trump will mit seinem Kampf gegen die Medien das Misstrauen kultivieren. In einer Gesellschaft, in der keiner mehr dem anderen glaubt, zählt einzig die beste Show. Mehr...

"Trump bugged"

The Right's Latest Obama 'Scandal' Is Collapsing in Record Time
(alternet.org) Inventing controversy out of thin air is a venerable GOP tradition. Now it's Trump's ploy to save his presidency. Read more...



So, das war's für heute!